Unterfinanziert ins neue Semester

91765702Viel zu wenig Seminarplätze, übervolle Vorlesungen, schlechte Betreuungsverhältnisse: Das Studieren wird uns schwer gemacht. Während für Banken und die Aufrüstung der Polizei über Nacht Millionen aufzutreiben sind, wird die Bildung finanziell ausgehungert.

Zwei Prozent des BIP sollten für Unis und FHs eigentlich eingesetzt werden – tatsächlich sind es selbst bei großzügiger Auslegung des „tertiären Bildungssektors“ gerade einmal 1,4 Prozent. In Geldbeträgen bedeutet das, dass zwei Milliarden Euro fehlen, um einen halbwegs akzeptable Lehre und Forschung zu ermöglichen.

Was Geldmangel heißt, wissen wir: Wegen fehlender Seminarplätze verzögert sich der Studienabschluss, überlastete ProfessorInnen prüfen nur mehr mit maschinell auswertbarem multiple choice-Test, wir verbringen Stunden auf den Fußböden überfüllter Hörsäle.

Finanzielle Hürden

Wer angesichts dieser Umstände nicht in Regelstudienzeit abschließen kann, fällt um die Familienbeihilfe um, muss noch mehr arbeiten und hat so noch weniger Zeit für die Uni. Fachliteratur verursacht ebenso immer wieder hohe Kosten. Auch der Studienbeginn wird immer mehr zur finanziellen Herausforderung: Da die Grundlagen für die ersten Semester in manchen Studien nur unzureichend vermittelt werden (können), wittern private Anbieter das große Geld bei Vorbereitungskursen: Das geht von 260 € für Latinumkurse bis zu über tausend Euro für ergänzende Rechtskurse für die ersten Semester am Juridicum.

EU: Bitte noch mehr Wirtschaftsinteressen

Bildung verkommt so zur Ware – und soll nach Vorstellungen der Eliten auch nur mehr dem Profit dienen: Die EU-Kommission kritisiert Österreich aktuell im „country report“, dass die „Marktrelevanz“ der erworbenen Abschlusse im Bildungssystem zu wünschen übrig lasse. Bildung als Allgemeingut, Ermächtigung zur Kritikfähigkeit und Entfaltung des Individuums? Nicht, wenn es nach den EU-Bürokraten geht.

Wir vom KSV-KJÖ fordern mehr Geld für Bildung statt für Banken – wir sind aber auch davon überzeugt, dass Verbesserungen nur durch den gemeinsamen Kampf der Studierenden um unsere Rechte erreicht werden können. Auf die Versprechungen einer SPÖ/ÖVP-Bundesregierung, die das Wissenschaftsministerium zum Wurmfortsatz der Interessen des Wirtschaftsressorts herabdegradiert, dürfen wir uns ebensowenig verlassen wie auf Beschwichtiger aus Rektorat und ÖH, die glauben, mit Presseaktionen und Interviews Druck auf die Herrschenden ausüben zu können.