Interview mit dem Spitzenkandidaten des KSV auf der Universität Wien, Louis Strasser

Louis Strasser, Spitzenkandidat der „KJÖ-StudentInnen“ an der Uni Wien

Lieber Louis, stell Dich doch bitte zu Beginn einmal kurz vor.

Mein Name ist Louis Strasser, ich bin 22 Jahre alt und studiere Politikwissenschaft an der Uni
Wien. Ich komme ursprünglich aus Oberösterreich, aus dem Bezirk Perg und lebe nun seit etwas mehr als drei Jahren in Wien.

Welche Themen stehen denn neben den allgemeinen bundesweiten Forderungen des KSV bei der anstehenden ÖH-Wahl in Wien im Fokus?

Eine unserer wichtigsten Forderungen ist das Verbot von unbezahlten Praktika. Immerhin sind 2/3 aller Pflichtpraktika unbezahlt, wodurch Unternehmen unter dem Deckmantel des „Ausbildungsverhältnis“ Studierende ausnutzen um Löhne zu sparen, weil sonst Personal für diese Tätigkeiten eingestellt werden müsste. Deshalb fordern wir u.a. die Gewerkschaften dazu auf, die Bezahlung von Praktika in ihre Kollektivvertragsverhandlungen aufzunehmen.
Außerdem kritisieren wir den Mangel an Freiräumen an der Uni, weshalb wir mehr konsumfreie Aufenthaltsräume fordern. Dafür würde sich beispielsweise die Mensa am NIG anbieten, die durch längere Öffnungszeiten von Studierenden als Lern- und Aufenthaltsraum genutzt werden könnte.


Bei den letzten Wahlen auf den Hochschulen warst Du noch Kandidat einer anderen Liste. Welche Gründe waren für Dich ausschlaggebend, nicht mehr für den VSStÖ zu kandidieren?

Als ich mich dazu entschlossen habe mich politisch zu engagieren, hatte ich nur wenig Einblick in die Hochschulpolitik. Meine Intention war es schlichtweg etwas gegen die herrschenden Umstände, auch auf universitärer Ebene, zu unternehmen, weshalb es mich vorerst zum VSStÖ verschlagen hat. Mir wurde aber relativ schnell bewusst, dass die Divergenz zwischen verbalradikalen Forderungen und der politischen Praxis im VSStÖ, ähnlich wie bei der ÖH-Exekutive, einfach nicht mit meinem politischen Anspruch zu vereinbaren war. Ich habe den KSV schon während des letzten ÖH-Wahlkampfs mit großem Interesse verfolgt und konnte mich mit den Forderungen und Inhalten gut identifizieren. Deshalb kam ich zum Entschluss der Sozialdemokratie den Rücken zu kehren und mich im KSV, der meiner Meinung nach, einzig glaubwürdigen sozialen Kraft auf Hochschulebene, zu engagieren.

Auf der Ebene der Universität kandidiert ihr unter dem Namen „KJÖ-StudentInnen (KSV-KJÖ)“ und nicht wie auf jeder anderen Hochschule bundesweit als Kommunistischer StudentInnenverband (KSV-KJÖ). Was ist da der Hintergrund?

Eine andere, sich ebenfalls „kommunistisch“ nennende, Fraktion hat sich vor einigen Jahren von uns abgespalten. Auch wenn diese Fraktion keine marxistische, geschweige denn kommunistische Politik betreibt, beharrt sie auf der Uni Wien weiterhin auf dem Namen „KSV“. Nach einem langjährigen Rechtsstreit ist das Ergebnis, dass wir nun seit einigen Jahren an der Uni Wien unter dem Namen unserer Jugendorganisation antreten. Wichtig ist aber nicht was draufsteht, sondern was drinnen ist. Und eine kämpferische, soziale Politik im Sinne der Studierenden gibt es nur mit uns und sicher nicht mit den Steigbügelhaltern von VSStÖ und GRAS, die maßgeblich an den desolaten Umständen an der Uni Wien beteiligt sind.

Erst nach vielfältigen Protesten durfte auch der KSV, der ja 1 Mandat in der Bundesvertretung hat, an der Elefantenrunde teilnehmen. An der Universität Wien hingegen wart ihr von jeglicher Podiumsdiskussion ausgeschlossen. Liegt das Deiner Meinung nach daran, dass ihr eine der kleinsten wahlwerbenden Gruppen seid, oder hat das andere Gründe?

Ich denke nicht, dass es an der Größe des KSV in Wien liegt. Viel mehr liegt es im Interesse der vermeintlich linken Exekutive der ÖH-Uni Wien uns möglichst klein zu halten, da wir nicht bereit sind deren abgehobene und realitätsferne Politik mitzutragen. Eine breite soziale Kraft könnte der Elfenbeinturm-Politik, wie sie von GRAS, VSStÖ und KSV-Lili betrieben wird, gefährlich werden, weshalb sie versuchen uns nach Möglichkeit zu boykottieren und auszugrenzen. Ähnliches haben sie heuer auch auf Bundesebene (erfolglos) versucht. Wenn die ÖH nicht lernt Politik mit den Studierenden zu machen, werden sie dafür, über kurz oder lang, die Konsequenzen tragen müssen, da die Leute merken, dass Politik an ihnen vorbei gemacht wird. Das versuchen sie derzeit noch durch ihre Ausgrenzungsmethoden zu kompensieren, was aber langfristig erfolglos bleiben wird.

Bei der letzten ÖH-Wahl hattet ihr an der Uni Wien 432 Stimmen und somit etwas über 2,51%. Welches Ziel habt ihr euch für dieses Jahr gegeben?

Für uns ist es wichtig eine kritische, soziale und kämpferische Kraft mit den Studierenden aufzubauen. Nur so ist es möglich, konsequent Politik, die an den Lebensrealitäten der Studierenden anknüpft, zu machen. Die Illusion, dass dies durch reine Vertretungsarbeit in den Gremien möglich ist, machen wir uns nicht, dazu bedarf es einer breiten und solidarischen Einheit der StudentInnen auf allen Ebenen. Dabei würde ein Mandat auf der Uni Wien natürlich helfen. Primäres Ziel ist es aber Zugewinne verzeichnen zu können und als Bewegung zu wachsen, um den eben genannten Ansprüchen gerecht werden zu können.

Welche Initiativen würdest Du bzw. ihr als KSV einbringen, wenn Du in die ÖH-Vertretung der Universität Wien gewählt würdest?

Da würde mir so einiges einfallen. Beispielsweise sind wir für eine Einführung der „Friedensklausel“, welche die Universität Wien dazu verpflichten würde keine kriegsdienliche Forschung zu betreiben. Diese Regelung wurde bereits an vielen deutschen Hochschulen umgesetzt, nur in Österreich wird dieses Thema scheinbar kaum behandelt.
Außerdem setzen wir uns für leistbares Mensaessen ein. Bei Menüpreisen, die sich von denen der umliegenden Gastwirtschaften kaum unterscheiden, kommt die Mensa derzeit nicht ihrer eigentlichen Aufgabe nach, eine günstige Alternative für die Studierenden zu bieten. Das wollen wir ändern, weshalb ich auch dazu eine Initiative einbringen würde.