Berufsleben mit Schulden beginnen?

Über finanzielle Schwierigkeiten, die Pläne der Bundesregierung und die Aufgaben der ÖH sprach die ROTCR0WD mit Dario Tabatabai, dem Grazer Spitzenkandidaten der Liste KSV-KJÖ.

Vom 16. Bis 18. Mai finden die ÖH-Wahlen statt. Du kandidierst für den KSV. Wie seht ihr die aktuelle Lage an den Unis?

Finanziell hat sich die Lage der Studierenden in der Steiermark zuletzt vor allem durch die Kürzung der Wohnbeihilfe verschlechtert. Über 90 Prozent der Studierenden haben diese wichtige Beihilfe verloren! Weil die Kosten für das tägliche Leben, vor allem beim Wohnen, stetig steigen, müssen immer mehr Leute neben ihrem Studium arbeiten. Das wiederum macht es umso schwieriger, angesichts von zunehmender Verschulung und zu wenigen Seminar- und Laborplätzen im Studium weiterzukommen. Die Uni wird finanziell ausgehungert, Leidtragende sind die StudentInnen.

Die Bundesregierung spricht nun von der sogenannten „Studienplatzfinanzierung“, was kann man darunter verstehen?

Im Grunde handelt es sich dabei um eine radikale Form der Zugangsbeschränkung. Nach den aktuellen Vorschlägen könnten an der Uni Graz etwa nur mehr halb so viel Erstsemestrige ein Studium beginnen wie bisher. Dahinter steckt freilich, dass im Hochschulsektor weiter gekürzt werden soll. Anstelle des freien Hochschulzugangs droht eine Uni für die finanzielle Elite, an der schlicht nach den kurzfristigen Bedürfnissen der Wirtschaft „ausgebildet“ wird. Nach den Plänen der Regierung werden Studienplätze nicht finanziert, sondern gestrichen.

Es stimmt also doch, dass Universitäten unterfinanziert sind?

Allerdings! Anstatt der genannten Kürzungen wäre das Gebot der Stunde aber, endlich zumindest zwei Prozent des BIP für Unis und FHs einzusetzen. Geld genug wäre in Österreich vorhanden – man muss nur an die Bankenrettungspakete denken, oder an die zuletzt wieder aufgekommene Affäre rund um die Eurofighter, wo hunderte Millionen versenkt wurden. Unter diesen Umständen ist es zynisch, Zugangsbeschränkungen oder Studiengebühren zu fordern. Wir sind für eine Vermögenssteuer, durch die man Bildungs-, Sozial- und Gesundheitssystem finanziert.

Stichwort Studiengebühren…

Es gilt als erwiesen, dass Studiengebühren in jeder Form soziale Hürden darstellen. Das hat zuletzt auch die Studierendensozialerhebung gezeigt. Kinder aus ärmeren Familien werden dadurch gezwungen, ihr Studium zu beenden – oder beginnen es erst gar nicht. Man gerät dabei in einen Teufelskreis, muss mehr arbeiten und hat dadurch noch weniger Zeit für das Studium. Nachgelagerte Studiengebühren, wie sie die Junos fordern, halten wir für eine gefährliche Mogelpackung – man startet dadurch mit einem enormen Schuldenpaket ins Berufsleben.

Die Wahlbeteiligung bei ÖH-Wahlen ist traditionell gering. Viele Studierende bekommen von der ÖH kaum etwas mit. Was muss sich deiner Meinung nach ändern?

Zur Aufgabe der ÖH gehört natürlich, sich für billige Skripten oder Lernplätze am Campus einzusetzen. Interessensvertretung hört aber nicht dabei auf. Es geht um die Anpassung von Stipendien, den Einsatz gegen die Abschaffung der Wohnbeihilfe, billigere Öffi-Tickets… All das beeinflusst das tägliche Leben der Studierenden unmittelbar. Hier müssen wir uns gemeinsam für unsere Rechte stark machen. Die aktuelle ÖH-Exekutive aus Fachschaftsliste, AG und Junos hat zuletzt leider wenig Profil gezeigt und ist – etwa bei der Frage der Wohnunterstützung – weit unter ihren Möglichkeiten geblieben.

Der KSV fordert also, die Interessen der Studierenden stärker nach außen zu vertreten?

Gleichzeitig geht es uns darum, den Studierenden unbürokratisch und direkt zu helfen. So organisieren wir monatlich eine Mietrechtsberatung mit Elke Kahr. In der Hochschulvertretung haben wir uns unter anderem für das gratis Mensaessen für SozialtopfbezieherInnen oder eine Vergünstigung der Kinderbetreuung für Studierende mit Kind eingesetzt. Auch auf der Uni braucht es ein soziales Gewissen – und das ist der KSV!